
Migräne:
Wie eine „Erwachsenenkrankheit“ bei Kindern unerkannt bleibt
Migräne gehört zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Etwa vier bis fünf Prozent aller Kinder sind betroffen. Dennoch wird die Erkrankung häufig erst spät erkannt. Ein Grund dafür ist, dass sich Migräne bei Kindern oft anders äußert als bei Erwachsenen.
Migräne bei Kindern ist eine neurologische Erkrankung, die wiederkehrende Kopfschmerzattacken und Begleitsymptome wie Übelkeit, Licht- oder Lärmempfindlichkeit, Bauchschmerzen oder Sehstörungen verursachen kann. Sie belastet die Kinder aber auch darüber hinaus: Häufig fehlen sie in der Schule, können sich schlechter konzentrieren und müssen sich zeitweise zurückziehen, was ihre Lebensqualität beeinträchtigen kann.
Während Erwachsene meist unter einseitigen, langanhaltenden Kopfschmerzen leiden, dauern Migräneattacken bei Kindern häufig kürzer und treten oft beidseitig auf. Manche Kinder klagen vor allem über Bauchschmerzen (Bauchmigräne), andere erleben Sehstörungen oder das sogenannte Alice-im-Wunderland-Syndrom: Gegenstände oder der eigene Körper erscheinen plötzlich größer oder kleiner als gewohnt. Deshalb wird Migräne bei Kindern nicht immer sofort erkannt.
Die Diagnose beruht auf vielen unterschiedlichen Informationen. Ärzt*innen fragen nach Dauer, Häufigkeit und Begleitsymptomen der Beschwerden, untersuchen die körperliche und neurologische Entwicklung und schließen andere Erkrankungen aus. Das geschieht etwa mithilfe des dem bildgebenden Verfahrens der Magnetresonanztomographie (MRT) oder Messung der Hirnaktivität mit einer Elektroenzephalographie (EEG). Das MRT liefert dabei detaillierte Bilder des Gehirns, während das EEG die elektrische Aktivität des Gehirns misst.
Viele Diagnosekriterien für Migräne wurden jedoch anhand von Daten Erwachsener entwickelt. Das ist ein Problem, denn Kinder sind in der Forschung deutlich seltener vertreten. Bis heute ist nicht vollständig geklärt, welche Symptome in welchem Alter typisch sind und wie sich die Erkrankung im Verlauf der Kindheit verändert. Diese Wissenslücke hat Folgen. Eine Migräne kann übersehen oder erst spät diagnostiziert werden. Außerdem erschwert sie die Entwicklung kindgerechter Diagnosekriterien und Behandlungen.
Digitale Kopfschmerztagebücher, Smartphones und Wearables sammeln Daten. Dokumentiert werden beispielsweise Kopfschmerzattacken, Schlaf, Bewegung, Herzfrequenz oder Stress. KI-Systeme können in diesen Daten Muster erkennen, die im ärztlichen Gespräch unterstützend sind.
Je mehr Daten von Kindern mit Migräne vorliegen, desto besser lässt sich verstehen, wie sich die Erkrankung in unterschiedlichen Altersgruppen äußert. Datenspenden helfen, typische Symptomverläufe zu erkennen, Migräne zuverlässiger von anderen Kopfschmerzerkrankungen oder Bauchbeschwerden abzugrenzen und Diagnosekriterien gezielt für Kinder weiterzuentwickeln. Auch für die Behandlung sind solche Daten wertvoll. Nicht jedes Kind spricht gleichermaßen auf Medikamente oder nichtmedikamentöse Therapien an. Mehr Daten zeigen, welche Behandlungen bei welchen Kindern besonders gut wirken.
Das Westdeutsches Kopfschmerzzentrum am Universitätsklinikum Essen bietet weiterführende Informationen. Mit Klick auf „Weiterlesen“ gelangst du zu diesem externen Inhalt. Für dessen inhaltliche Richtigkeit übernehmen wir keine Gewähr.
Nicht klein,
nur anders
1886
Basierend auf „Im Klassenzimmer“ von Paul Louis Martin des Amoignes
adaptiert von Blynd S. Pots
Akte 02:
Multimodale Datenfusion aus subjektiven
Video: KI-generiert (Wan 3.0)
