Diabetes:
Eine globale Krankheit mit unterschiedlichen Gesichtern

Diabetes: Eine globale Krankheit mit unterschiedlichen Gesichtern

Diabetes ist eine chronische Stoffwechselerkrankung: Die Bauchspeicheldrüse produziert zu wenig Insulin oder der Körper kann es nicht richtig nutzen. Insulin ist ein lebenswichtiges Hormon, das Zucker (Glucose) aus dem Blut als Energielieferant in die Zellen transportiert und so den Blutzucker reguliert. Bleibt der Blutzuckerspiegel dauerhaft erhöht, schädigt das mit der Zeit Nerven und Blutgefäße im Körper.

Weltweit sind laut WHO über 346 Millionen Menschen von Diabetes betroffen. 2004 starben rund 3,4 Millionen Menschen an den Folgen von zu hohem Blutzucker. Besonders häufig erkranken Menschen aus Südamerika, Afrika und Asien an Diabetes mellitus Typ 2. Menschen aus diesen Ländern erkranken fünf bis zehn Jahre früher an Typ-2-Diabetes als die europäische und nordamerikanische Vergleichsgruppe.

Zusätzlich tragen Menschen ost- und südasiatischer Herkunft ein höheres Risiko für Typ-2-Diabetes als europäische Vergleichsgruppen. Denn Menschen asiatischer Herkunft entwickeln häufiger viszerales Fett (Fettgewebe um die Organe in der Bauchhöhle) und damit ein erhöhtes Diabetesrisiko. 

Das passiert bereits bei BMI-Werten, die nach gängigen Maßstäben als „normal“ gelten. Ärzt*innen setzen den BMI als ersten Indikator für eine Diabetes-Risikoeinschätzung ein. Der BMI misst aber nur das Verhältnis (Body Mass Index) von Gewicht zu Körpergröße, sagt aber nichts darüber aus, wo sich das Fett im Körper befindet. Asiat*innen, die nicht übergewichtig wirken, fallen deshalb nicht unter den Radar. Der BMI allein reicht deshalb nicht aus, um das Risiko zuverlässig einzuschätzen.

Für eine zuverlässige Risikoeinschätzung braucht es deshalb weitere Faktoren: Familienanamnese, die tatsächliche Fettverteilung im Bauchraum und frühe metabolische Veränderungen. Das hat direkte Folgen für Prävention und Screening. Denn wer sich allein auf den BMI verlässt, übersieht möglicherweise ein bestehendes Risiko. 

Die Fachliteratur legt nahe, dass herkunftsspezifische BMI-Schwellen und eine aufmerksamere Früherkennung sinnvoll sein können. „Asiatisch“ ist jedoch keine einheitliche Gruppe. Auch zwischen Süd- und Ostasiaten gibt es Unterschiede bezüglich Risiken und Ursachen. Von Forschung zu diversen Ethnien profitieren alle. Genvarianten, die bei Südasiat*innen mit Typ-2-Diabetes erstmals nachgewiesen wurden, konnten auch bei Europäern identifiziert werden. In der Diagnostik und Behandlung von Diabetes mellitus Typ 2 wurde der Einsatz von digitalen Zwillingen (virtuelle Repräsentationen pathophysiologischer Prozesse individueller Patient*innen) bereits als sinnvoll erwiesen.

Hintergrund: Historische Sensibilität vs. Medizinischer Nutzen

In Deutschland wird die ethnische Herkunft in medizinischen Erhebungen aus historischen Gründen, aufgrund des Missbrauchs solcher Daten im Nationalsozialismus, meist nicht erfasst. Für eine genauere Risikoeinschätzung wäre diese Information jedoch hilfreich. 

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